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Mädchen und Lehre

Mädchen, die eine Lehre beginnen, werden oftmals stark durch die Rollenbilder, die in unserer Gesellschaft vorherrschen, beeinflusst. Die Berufswahl von Mädchen fällt nach wie vor vielfach auf "typisch weibliche" Berufe: 2/3 aller lehrstellensuchenden Mädchen wollen einen der fünf häufigsten weiblichen Lehrberufe ergreifen (Friseurin, Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau, Köchin und Restaurantkauffrau). Bei den Burschen teilen sich lediglich 33% der Lehrstellensuchenden auf die beliebtesten fünf männlichen Lehrberufe auf. Das Problem wird auch durch die derzeitige Lehrstellenknappheit verschärft und betrifft beide Geschlechter, allerdings nicht beide im selben Ausmaß. Die absolute Zahl der lehrstellensuchenden Mädchen ist zwar niedriger als die der Burschen, dies liegt aber vor allem daran, dass Mädchen häufiger weiterführende Schulen besuchen bzw. sich nach nicht geglückter Lehrstellensuche in die Haushalte zurückziehen oder HilfsarbeiterInnenjobs annehmen.

Obwohl weniger Mädchen als Burschen auf den Arbeitsmarkt drängen, ist es für sie trotzdem schwieriger eine Lehrstelle zu finden. Vor allem, weil sich viele von ihnen auf wenige Lehrberufe aufteilen. Aus diesem Grund sind in diesen Berufsfeldern viel zu wenig Lehrstellen vorhanden.

Prinzipiell sollten Mädchen also eine größere Chance auf einen Lehrplatz haben, wenn sie keinen typisch weiblichen Beruf erlernen wollen. Falls die Familie diese Pläne unterstützt - dies ist leider nicht immer der Fall - gibt es einen weiteren Stolperstein: oft lehnt die Betriebsleitung - trotz gesetzlichen Verbots - Lehrstellensucherinnen aufgrund ihres Geschlechts ab. Fadenscheinige Begründungen wie bauliche Gegebenheiten (WC, Duschen,...) werden angegeben, statt in technische Fähigkeiten von Mädchen zu vertrauen.

In Wien gibt es einige Beratungsstellen, die sich auf die Eingliederung von Mädchen in männerdominierte Berufsfelder spezialisiert haben. Der Verein Sprungbrett informiert z.B. Mädchen über nicht "typisch weibliche" Lehrberufe.

Außerdem bietet er an, dass eine ihrer MitarbeiterInnen den Mädchen, die sich in "Männerdomänen" wagen, beratend zur Seite steht. Dies ist leider oft auch deshalb notwendig, weil es häufig zu Verbalattacken der Kollegen gegen die Mädchen kommt.

 




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